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\begin{document}

\parindent0.0em
\begin{titlepage}

\newfont{\HUGE}{phvb scaled 10000}
\begin{center}
  {\HUGE Freie\\[0.5cm]Software}\\[0.5cm]
  {\Huge GFS im Fach Gemeinschaftskunde\\[1.5cm]
    Nicolas Bellm\\[1.5cm]
    4. Januar - 6. Januar 2005\\[9cm]}
  Der Inhalt dieses Dokuments steht unter der GNU-Lizenz für freie
  Dokumentation\\
  http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html
\end{center}
\end{titlepage}

\tableofcontents

\chapter{Definition von freier Software}

Viele Menschen sind der Meinung, daß man unter Freier Software
kostenlose Software versteht, was zum einen daher rührt, daß das Wort
"`frei"' im deutschen zwei Bedeutungen hat\footnote{1. frei wie in
  "`Freibier"', 2. frei wie in "`freie Meinungsäußerung"'}, und zum
anderen, daß Freie Software in den allermeisten Fällen tatsächlich
kostenlos ist. Diese Interpretation von freier Software ist jedoch
nicht richtig. Es ist durchaus auch möglich, für freie Software Geld
zu verlangen. Der Begriff "`Freie Software"' sagt also nichts über den
Preis der Software aus, sondern die Rechte, die durch die Lizenz der
Software garantiert werden. Auf diese Rechte auch Freiheiten will ich
im folgenden näher eingehen.

\section{Vier Freiheiten}

\emph{Freie Software} ist Software, deren Lizenz jedem folgende vier
Freiheiten garantiert:

\begin{quote}
  \begin{enumerate}
  \item Die Freiheit, das Programm für jeden Zweck zu benutzen
    (Freiheit 0).
  \item Die Freiheit, zu verstehen, wie das Programm funktioniert und
    wie man es für seine Ansprüche anpassen kann (Freiheit 1). Der
    Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung.
  \item Die Freiheit, Kopien weiterzuverbreiten, so dass man seinem
    Nächsten weiterhelfen kann (Freiheit 2).
  \item Die Freiheit, das Programm zu verbessern und die
    Verbesserungen der Öf\-fent\-lich\-keit zur Verfügung zu stellen,
    damit die ganze Gemeinschaft davon profitieren kann (Freiheit 3).
    Der Zugang zum Quellcode ist dafür Voraussetzung. \cite{free-sw}
  \end{enumerate}
\end{quote}

Software, deren Lizenz diese Freiheiten nicht garantiert, nennt man
\emph{proprietäre Software}.

\section{Beispiel für freie Software}
\enlargethispage{2cm} Das bekannteste Beispiel für freie Software
dürfte wohl \emph{Linux} sein. Immer größere Verbreitung findet auch
die freie Alternative für den Internet Explorer, \emph{Mozilla
  Firefox}. Häufig vergessen, aber aus dem Schüleralltag nicht mehr
wegzudenken ist, \emph{MediaWiki},
die Software, die hinter Wikipedia, der freien Enzyklopädie steckt.\\
Aber der größte Teil der freien Software wird dem Laien eher unbekannt
sein, wie z.\thinspace B. die freie Bildverarbeiungssoftware
\emph{The~GIMP} oder die beiden Desktopumgebungen \emph{KDE} und
\emph{GNOME}. Man darf auch nicht das freie Officepaket,
\emph{OpenOffice.org}, eine brauchbare Alternative für Microsoft
Office, vergessen. Wer aber professionelle Texte unter Linux aber auch
unter Windows gestalten will, kommt wohl um das
Textsatzsystem \emph{\LaTeX} nicht herum.\\
Kurzum, es gibt für fast jedes proprietäre Programm eine freie
Alternative, die ich jetzt un\-mög\-lich alle aufzählen könnte.

\chapter{Geschichte}

\section{Ursprung von freier Software}

Am Anfang war alle Software frei und quelloffen. Selbst in der
kommerziellen Computerwelt waren die Quellen verfügbar. Die
Computerfirmen konzentrierten sich nämlich auf den Verkauf von Hardware
und die Software war einfach dabei, um die Hardware benutzen zu
können. Es gab also keine Unterscheidung zwischen Hard- und
Softwarefirmen. So konnte man auch beim Marktführer IBM Hardware auch
nur in einem Paket mit Software, Peripheriegeräte, Wartung und Schulung
kaufen. Aber auf Druck des US-Justizministerium mußte IBM diese
Bündelung aufgeben. Diese Entkoppelung schuf dann schließlich die
Voraussetzung für eine eigenständige Softwareindustrie. Die Programme
waren dann auch nicht mehr im Quellcode erhältlich.

\section{Richard Stallman und das KI-Labor des MIT}

Auch \emph{Richard M. Stallman}, der Anfang der 70er-Jahre im KI-Labor
des MIT arbeitete, erlebte diese Veränderung mit. Er war am Anfang
davon fasziniert, daß jeder, der ein Problem hatte, die Software, die
ein anderer geschrieben hatte, benutzen durfte.

\begin{quote}
"`Ich hatte in den 70er-Jahren das Glück, Teil einer Gemeinschaft zu
sein, in der die Menschen Software miteinander teilten. Wir
entwickelten Software und wann immer jemand ein interessantes Programm
geschrieben hatte, wurde es weitergegeben. [...] So arbeitete einer
nach dem anderen, um die Software zu verbessern und
weiterzuentwickeln. Man konnte in dieser Gemeinschaft immer eine
zumindest passive Mitarbeit eines jeden erwarten. Sie mochten zwar
nicht bereit sein, ihre Arbeit zu unterbrechen, um stundenlang etwas
für dich zu tun, aber das, was sie bereits erledigt hatten, konntest
du gerne benutzen."' (Richard Stallman) \cite[S.\thinspace 219]{grassmuck}
\end{quote}

Aber nach und nach zerfiel diese Gemeinschaft. Die nachfolgende
Generation hatte keine Probleme mehr damit, daß Programme ein Eigentum
einer bestimmten Person ist und brachten in ihren Programmen einen
Copyrightvermerk an. Die zunehmende Kommerzialisierung war dann das
Ende dieser Gemeinschaft. Viele Mitarbeiter des KI-Labors wurden von
Firmen abgeworben und mußten Vertraulichkeitsvereinbarungen
(\emph{Nondisclosure Agreements}) unterzeichnen und der Quellcode war
geschlossen.\\
Aufgrund dieser Erfahrungen gründete er das GNU-Projekt, auf das ich
jetzt zu sprechen komme.

\section{Das GNU-Projekt}

Richard Stallman versuchte nun diesen alten \emph{sharing spirit}
wiederherzustellen. Er starte 1984 das GNU-Projekt (GNU's not Unix),
dessen Ziel es war, ein Betriebssystem zu schaffen, das funktional
äquivalent zu \emph{Unix}\footnote{Ein von AT\&T entwickeltes
  Betriebssystem} ist, aber komplett frei ist. Er gab seine Stelle beim
MIT auf, damit das GNU-Projekt nicht das Eigentum des MIT ist. So fing
er an einen Compiler, GNU C-Compiler (GCC), und einen Editor, GNU
Emacs, schreiben. Stallman hat Emacs auf einem ftp-Server zur
Verfügung gestellt, aber auch angeboten, daß die Leute, die daran
interessiert waren, ihm ein Band in einem frankierten Rückumschlag
schickten, auf das er den Emacs überspielte. Außerdem verkaufte er, da
er ja kein eigenes Einkommen mehr hatte, ein Band mit Emacs für 150
Dollar. Hier wird auch deutlich, daß mit "`frei"' nicht die Freiheit
in Bezug auf den Preis gemeint ist. Als das Interesse am Emacs wuchs,
gründete er 1985 die \emph{Free Software Foundation} (FSF), die sich
von nun an mit dem Verkauf von Emacs und später auch anderer
GNU-Software beschäftigte. Aus dem Verkauf von Software und
Handbüchern und auch aus Spenden finanzierte die FSF die Entwickler,
die sich damit beschäftigen, die für die Betriebsumgebung notwendigen
Programme zu schreiben. Die Programme des GNU-Projekts bekamen kein
Copyright, sondern ein Copyleft ("`Copyleft, all rights reversed"').
Daraus entwickelte sich dann die GNU General Public License (GPL), die
besagt, daß alle Änderungen der Gemeinschaft wieder verfügbar gemacht
werden müssen.

\section{GNU/Linux}

Mit der Zeit wurden alle Teile des Betriebssystems programmiert. Es
fehlte nur noch der \emph{Kernel} (Kern), der zentrale Bestandteil des
Betriebssystems. Dieser Kernel sollte GNU Hurd werden. Da dieser Kern
aber nicht rechtzeitig fertig wurde, nahm man als Ersatz bis GNU Hurd
fertig ist, einfach das 1991 von Linus Torvalds entwickelte Linux und
nannte das Ganze dann GNU/Linux. GNU Hurd ist immer noch nicht fertig,
aber die erste stabile Version soll "`in Kürze"' erscheinen.

\section{Streit zwischen Open Source und Freier Software}
Bis 1998 verwendete man ausschließlich den Begriff Freie Software.
Doch dann ist plötzlich in dem von Eric S.  Raymond geschriebenen
Essay \emph{"`The Cathedral and the Bazaar"'} der Begriff
\emph{Open-Source-Software} aufgetaucht. Der Grund dafür ist nicht
nur, daß der Begriff "`frei"', wie ich schon im ersten Kapitel erwähnt
habe, zweideutig ist, sondern auch, daß der Begriff "`frei"' für
kommerzielle Firmen wenig schmackhaft klingt. In dem selben Jahr
veröffentlichte nämlich Netscape den Quellcode seines Navigators, aus
dem dann der Mozilla wurde.\\
Doch auch der Begriff "`Open Source"' ist auch nicht besonders
treffend, weil ja die Quelloffenheit zwar eine notwendige Bedingung
für Freie Software ist, aber keine hinreichende Bedingung. Es gab
nämlich immer mehr Programme, dessen Quelltext zwar offen ist, aber
keine Modifikationen zulassen. Diese Firmen schmückten sich zwar mit
dem Label "`Open Source"', jedoch handelt es sich keinesfalls um Freie
Software. Aus diesem Grund spricht man auch heute wieder mehr und mehr
von "`Freier Software"' und deshalb nannte ich auch das Thema meiner
GFS "`Freie Software"' und nicht "`Open-Source-Software"'.

\section{Freie Software heute}

Immer mehr Menschen nutzen heutzutage freie Software, einerseits, weil
sie einfach besser ist, als proprietäre Software, wie z.\thinspace B.
Windows aber auch, weil sie von der Philosophie begeistert sind, die
hinter freie Software steht. Viele Menschen widmen ihrer Freizeit der
freien Software und arbeiten selbst an einem Softwareprojekt mit.
Viele Leute sind auch Angestellte bei Firmen, wie SuSE oder Redhat und
lassen sich bezahlen für die Programmierung von freier Software.
Darauf werde ich aber noch im nächsten Kapitel näher eingehen. Es gibt
auch immer mehr Verwaltungen von Städten und Gemeinden, z.\thinspace
B. die Verwaltung von München, die ihre Software von Windows auf
GNU/Linux umstellen.

\chapter{Kommerzielle Nutzung von freier Software}

Schon im vorherigen Kapitel wurde deutlich, daß Freie Software eine
kommerzielle Nutzung nicht ausschließt. Man kann also durchaus sich
die Arbeit, die Software auf CD zu brennen, oder das Leisten von
Support bezahlen lassen. Es haben sich auch inzwischen viele Firmen,
sogenannte Distributoren, angesiedelt, die sich dafür bezahlen lassen,
verschiedene freie Software zusammenzustellen und diese dann in einem
Paket vertreiben. Als Beispiel kann man hier SuSE, RedHat und Mandrake
nennen.\\
Diese Firmen verdienen nicht nur an dem Vertrieb dieser
Softwarepakete, sondern sie leisten auch Installationssupport oder
kümmern sich auch um die Administration der Software.

\chapter{Gefahren}

\section{Allgemeine Gefahren}

Aber es gibt auch viele Situationen, die für freie Software eine
Gefahr darstellen. Viele Firmen veröffentlichen die Spezifikationen
ihrer Hardware nicht und so können auch keine freien Treiber für
GNU/Linux entwickelt werden oder nur durch große Anstrengungen
(z.\thinspace B. Reverse-Engineering, was aber nicht legal ist). Eine
weitere Gefahr für freie Software sind auch die Softwarepatente, auf
die ich jetzt im weiteren eingehen werde.

\section{Softwarepatente}

Normale Patente beziehen sich auf Produktionsabläufe und konkrete
Anwengungen, die laut den Naturgesetzen theoretisch möglisch sind.
Softwarepatente beziehen sich aber auf Konzepte bzw. Ideen. So wird
z.\thinspace B. keine bestimmte Mausefalle patentiert sondern jedes
Mittel zum Fangen von Nagetieren.  Zurück zur Software: Es wird
z.\thinspace B. nicht Microsoft Word, das ja schon durch das
Urheberrecht geschützt ist, patentiert, sondern jegliche Programme zum
Erstellen von Texten. Auf diese Weise wurden schon viele zur
Softwareentwicklung notwendige Funktionen patentiert, wie z.\thinspace
B. Karteireiter in Dialogfeldern, Fortschrittsbalken und sogar die für
das Programmieren unumgängliche Wenn-Abfrage. Die großen Firmen wie
Microsoft, IBM haben viele solcher Softwarepatente und sprechen sich
ab, diese Patente nicht gegenseitig auszuspielen.  Aber
mittelständische Unternehme und Entwickler von freier Software bleiben
außen vor. Solche Softwarepatente sind in der USA schon legal und es
wurden teilweise schon Firmen verklagt, wegen Verletzung von
Patentansprüchen. In der EU sind sie zwar noch nicht legal, was sich
durch die Entscheidung des Europäischen Rates bald ändern wird, aber
sie sind dennoch zu tausenden schon angemeldet. Dann wird es nicht
mehr möglich sein, Software zu entwickeln, ohne Patentansprüche von
irgendwelchen Firmen zu verletzen, man bewegt sich als
Softwareentwickler also auf einem Minenfeld.

\chapter*{Eidesstattliche Erklärung}
Hiermit erkläre ich an Eides Statt, daß ich die Arbeit selbstständig
und nur unter Zuhilfenahme der ausgewiesenen Hilfsmittel angefertigt
habe.\\[0.5cm]

Bad Schönborn, den \today\\[1.5cm]
Nicolas Bellm

\begin{thebibliography}{}
\bibitem{grassmuck}Volker Grassmuck: {\it Freie Software Zwischen
    Privat- und Gemeineigentum}. Bundeszentrale für politische
  Bildung, Bonn, 2002.
\bibitem{free-sw}http://www.gnu.org/philosophy/free-sw.de.html, 6.1.2005
\bibitem{gnu}http://www.gnu.org/gnu/thegnuproject.de.html, 6.1.2005
\bibitem{}Wikipedia (6.1.2005): freie Software, Open Source, Softwarepatent
\end{thebibliography}

\end{document}

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